Sportlichkeit – Eine Frage des Aussehens?

Wieso gilt immer noch das altbewährte Klischee, dass nur jemand „sportlich“ wäre, wenn derjenige auch „sportlich“ aussieht? Viele denken leider immer noch in diesen stumpfen Schubladen: „Ah, der ist schlank und rank, der ist bestimmt total sportlich oder gar ein guter Läufer!“ und „Oh, der da oder die da sieht etwas mollig aus, der/die macht bestimmt keinen Sport und sitzt lieber mit einer Packung Chips auf der Couch!“. Ich sage dazu: „Bullshit!“ Es gibt genügend Menschen, die „sportlich“ sind, ohne, dass sie unbedingt wie ein Bademoden-Modell aussehen. Und jetzt legen wir noch eins drauf: Ja, es gibt auch umgekehrt genügend Leute, die zwar „sportlich“ aussehen, aber es gar nicht sind! Man stelle sich das einmal vor. Ohja, so ist dem. Knallharte Realität. Und woher weiß ich das?

Ganz einfach. Ich habe schon oftmals im Einsteiger-Probe-Training gesehen, wie sich Muskelbepackte gar nicht so leicht mit den gegenläufigen Aufwärmübungen des Tai Chis getan haben. Im Gegenteil, manch einer hatte so seine Schwierigkeiten und kam ganz schön ins Schwitzen und in Verlegenheit. Auch ich selbst wurde schon oft in eine der oben genannten Schubladen gesteckt, dass ich nicht „sportlich“ wäre, weil ich ja ein wenig molliger bin. Und jedes Mal wieder musste ich mir ein Lachen verkneifen, als ich mit ein paar Highkicks und mit meiner Gelenkigkeit das Gegenteil bewies. Das Schöne dabei ist: Ich muss nichts beweisen. Ich weiß was ich kann. Das reicht mir persönlich aus.
Na, gut. Ab und an ist es jedoch recht amüsant, wenn ich es schaffe, dass so manch einem einmal die Spucke wegbleibt.

Thema: „Beim Sport gut aussehen und allgemein gut aussehen“:
Durch diverse Medien, sei es durch Zeitschriften oder Social-Media wie „Instagram“ oder „FB“, wird uns eingebläut, dass wir immer gut aussehen müssten. Man muss sich möglichst „gut“, „hübsch“, „interessant“, „gestylt“, „fame“, usw. darstellen, um genügend „Follower“ zu erhalten und um so beliebt wie möglich zu werden. Es ist erschreckend, wie abhängig schon zahlreiche Teenies und junge Erwachsene von diesen Plattformen sind. Vor Jahren wurde bereits kritisiert, dass sich der Trend nach und nach zu dieser Online-Abhängigkeit entwickelt. Es ist schon fast wie eine Droge, ständig am Handy zu sein und stetig das aktuelle Essen oder die neue Errungschaft zu posten oder auch Fitness-Studio-Fotos zu knippsen.
Ich frage mich, wozu gehen nun die Leute ins Fitnessstudio? Zum dort gut aussehen und dort Fotos für Instagram zu knippsen, wie toll sie sind? Oder, weil sie sich selbst etwas gutes tun wollen?
!!Anmerkung: Ich beziehe mich nun NICHT auf JEDEN Fitness-Studio-Gänger! Keinesfalls!
Ich beziehe mich darauf, dass es wohl auch welche gibt, die einfach nur zur Selbstprofilierung dort sind und um mehr auf den äußeren Schein hinzuarbeiten mit eben diversen Fotos und Posts.

Was ich auch nicht ganz nachvollziehen kann:
Warum geht man voll-geschminkt und gestylt zum Sport?
Wäre es nicht deutlich angenehmer, entspannter und weniger aufwändig, wenn man einfach nur in gemütlichen Klamotten, wie eben Jogginghose und T-Shirt hingeht? Wieso schminken, wenn man eh schwitzt und danach duschen geht? Oder muss ich mir nun Sorgen machen, dass so manch einer nach dem Sport und nach vollem Schwitzen, nicht duschen geht? Oha! :O
Aber mal ehrlich. Tatsächlich denke ich, dass das hauptsächliche Problem wo ganz anders liegt.
Nämlich daran, dass man sich viel zu viele Gedanken macht, was andere über einen denken könnten. Dass man sich viel zu viel unter Druck und Stress setzt, um möglichst auf jeden „toll“ zu wirken. Dieser Dauerstress kann doch nicht gesund sein! Wacht doch mal auf!
Leute, entspannt euch doch bitte. Denkt doch in der Hinsicht einfach mal nur an euch.
Wozu macht ihr denn Sport? Seid einfach voll bei der Sache und voll bei euch! Wenn ihr euch auf das Training und auf euch voll und ganz konzentriert, dann verfliegen auch schon diese Gedanken. Und mal so am Rande gesagt: Wenn ihr irgendwann einmal damit aufhört, euch Gedanken darüber zu machen, was andere denken könnten (schlussendlich kann man ja sowieso nicht ins Hirn der anderen schauen!), dann wird es den anderen Mitmenschen umgekehrt auch irgendwann einmal egal sein, was ihr wie und wo macht. (Natürlich im legale und angemessen Rahmen versteht sich! 😉 )

Achja! Witzige Story, die ich selbst mit meinen damaligen TCG-Schülern erlebt habe.
Beim Tai Chi Gung – Landessportverein trainieren wir stets, sobald das Wetter warm und schön ist, draußen im Freien. Wir machen ein sogenanntes Outdoor-Training.

Als die Zeit wieder einmal reif dafür war und der Obmann und ich freudig das neue Outdoor-Training angekündigt hatten, verzogen sich zunächst die Minen der Vereinsmitglieder.
Man konnte deutlich sehen: Sie waren gemischter Gefühle. Einerseits ist es natürlich großartig, dass man auch mal Tai Chi, wie die Chinesen draußen im Park ausüben kann. Eben so, so wie man halt das altbewährte Bild zu Tai Chi kennt und wie man sich das so vorstellt.
Aber andererseits könnte es ja passieren, dass dich andere Mitmenschen draußen im Freien beim Sport sehen könnte. Schreck lass nach! Ganz schlimme Sache. (Ich hoffe den Sarkasmus kann man nun deutlich herauslesen.)

Mit etwas Überredungskunst und der Tatsache, dass eben die nächsten Trainingseinheiten nur zunächst draußen stattfinden werden, erschienen die lieben TCG-Schüler zum Training. Immer wieder sind die Augen natürlich in der Gegend umhergewandert, ob man bloß eh nicht gesehen wird. Nach und nach und im Laufe des Trainings und je intensiver es dann in die Übungen ging, verflogen jedoch diese Gedanken. Man sah es ihnen so richtig an. Sie wurden entspannter und entspannter. Der Schweiß ronn natürlich auch die Stirn runter. Und siehe da, das Outdoor-Training war schlussendlich großartig und wirklich jedem hat es Spaß gemacht!

Und so ging es erst einmal ein paar Outdoor-Trainingseinheiten so weiter. Und plötzlich kam die Selbsterkenntnis! Sie haben festgestellt, dass es ihnen doch irgendwann einmal egal wurde, wer sie beim Training sehen könnte und wer was darüber denken würde. Sie haben begriffen, dass sie sich selbst etwas Gutes tun, das Training ihnen große Freude bereitet und es wichtig ist, bei der Sache zu bleiben. Und siehe da, irgendwann einmal hatten wir auch Zuschauer, die gar nicht „blöd“ geredet haben und einfach nur begeistert und interessiert zugeguckt hatten. Und wir alle haben uns über dieses postive, nonverbale Feedback gefreut. Und das schöne ist, man musste sich keine Gedanken mehr um andere machen.


Fassen wir also zusammen:

  • Man muss nicht super schlank sein, um Sport zu betreiben.
  • Jeder hat andere Stärken. Gut, dass es also eine Vielfalt an Sportarten gibt und jeder die Möglichkeit hat, die richtige für sich zu finden.
  • Man muss nicht beim Sport/während der sportlichen Betätigung gut aussehen.
  • Man macht doch Sport für sich selbst und um sich einfach wohl zu fühlen! Um etwas für sich selbst zu tun, um sich etwas Gutes zu tun, für die Gesundheit, fürs Abreagieren, zum Stress abbauen und und und… So einfach ist das.

Und das wichtigste:
Es ist doch scheißegal, was andere über dich denken! Hauptsache du fühlst dich bei dem, was du tust, wohl! Sei nicht mit deinen Gedanken bei anderen!
Sei bei dir selbst! Sei du selbst! Übe dich in Achtsamkeit.
Und hab einfach Spaß bei dem, was du tust! 😉

Sportliche Grüße an Alle und ein schönes Wochenende!!! 🙂